Der siebte Jakob setzt auf Tradition

Schneider_Herbst18_©peterbender_0168 (1)Seit 444 Jahren wird im Weingut Jakob Schneider an der Nahe Wein gemacht. Wer dort ab Hof einkauft, bekommt stets einen Sinnspruch mit auf dem Weg.

Von Maike von Galen

Eine futuristische Vinothek, schreiend moderne Etiketten, einen Instagram-Account: Das alles sucht man im Weingut Jakob Schneider vergebens. „Ja, es stimmt: Wir sind traditioneller, fühlen uns damit aber sehr wohl“, sagt Laura Schneider augenzwinkernd. Gemeinsam, führen Sie und Ihr Mann Jakob Schneider, dem siebten Jakob in der Familiengeschichte, das Weingut an der Nahe – ein Familienbetrieb, der seine Tradition keinen Moden opfern will.

„Wir haben Kunden, die schon in dritter Generation bei uns Wein kaufen“, erzählt Jakob Schneider stolz. Dafür bietet das Weingut Beständigkeit: Der Schwerpunkt liegt auf Riesling – „von knochentrocken bis zur Trockenbeerenauslese“. Die Schneiders setzen bewusst alles auf eine Karte, einen Geschmack: „Modische Rebsorten wie Sauvignon Blanc gibt es bei uns nicht.“ Die geschmackliche Herausarbeitung der Einzellagen liegt Ihnen am Herzen. Überhaupt gedeihen Rieslinge auf dem kargen Böden der Nahe optimal.

Wer hier einkauft, der tut das eben nicht in erster Linie, weil Riesling gerade sehr in Mode ist, die „Generation Riesling“ ihn mit hippen Events und bunten T-Shirts vermarktet. „Musik für die Zunge“ ist darauf dann zu lesen – beim Weingut Jakob Schneider gibt es stattdessen Lyrik und Sinnsprüche zum Einkauf dazu.

Die verteilt „Oma Liesel“ – bald stolze 85 Jahre alt und noch immer äußerst aktiv im Verkauf: Wer das Weingut an der Nahe besucht, bekommt von ihr neben den Flaschen noch einen Sinnspruch auf den Weg „Von Busch bis Luther hat sie einfach unfassbar viele Gedichte und Zitate im Kopf, das beeindruckt unsere Gäste immer wieder“, staunt die Schwieger-Enkelin.

Während sich die studierte Weinwirtschaftlerin Laura Schneider im Weingut vor allem um Marketing und Verkauf kümmert, ist ihr Mann Jakob Herr über Weinberg und Keller – oder wie seine Frau liebevoll sagt: „Last Man Standing“. Denn neben Mutter und Großmutter gehören auch zwei Töchter des Winzerpaares inzwischen zum Betrieb. „Lauter Frauen, die ihm reinreden“, wird da gescherzt.

Laura Schneider ist eigentlich Pfälzerin, kam nach einem Studium in Geisenheim beruflich an die Nahe. Das vergleichsweise kleine Anbaugebiet hat sie sofort fasziniert: „Hier gibt es gemessen an der Größe eine unglaubliche Dichte an tollen Weingütern“, schwärmt Laura Schneider, „jeder Ort hat mindestens ein oder zwei Spitzenwinzer.“ Grund dafür ist auch die besondere Bodenstruktur der Nahe: „Dadurch schmeckt jeder Wein einzigartig.“ Hinzu komme ein relativ kühles Klima, was vor allem den Rieslingtrauben gut tue.

Auch wenn Oma Liesl noch immer in der „Probierstube“ – nicht in der Vinothek – die Gäste begrüßt: Ganz geht der Fortschritt am Weingut natürlich nicht vorbei. „Wir verstehen unsere Arbeit als eine Art Generationenvertrag“, sagt Jakob Schneider: „Jeder tut seinen Teil dazu, ohne das Alte einzureißen.“ Daher wird viel in die Weinberge und Technik investiert. Das funktioniere nun schon seit vielen Generationen. „Natürlich hoffen wir, dass auch unsere Töchter das einmal weiterführen werden“, sagt Laura Schneider. Noch aber sind die Mädchen eins und drei – ob „Winzerin“ einmal ihr Berufswunsch sein wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht hat sich ja die Leidenschaft vererbt.

 

Kurz gefragt:

Jeder schreit heute nach „trockenen“ Weinen – wann sollte es doch mal ein feinherber sein?

Immer dann, wenn der Wein es mit starken Gewürzen aufnehmen muss: Garnelenspieße sind für mich ein perfekter Begleiter für unseren Riesling feinherb. Er ist moderat im Alkohol aber so kräftig im Geschmack, dass er auch gut mit asiatischen, leicht scharfen Gerichten getrunken werden kann.

 

Und wann kommt bei Ihnen der Weißburgunder auf den Tisch?

Zum Beispiel zu einem Stück Fleisch: Unsere Weißburgunder haben viel Leichtigkeit und Mineralität, sind ein bisschen wilder, als die meisten Vertreter ihrer Art. Der Wein hat eine schöne Tiefe und schmeckt trotzdem nicht fett. Ich trinke ihn auch ohne Essen sehr gern.

erschienen am 29.06.2019 in „Neue Westfälische“

Jakob Schneider

 

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