Gastro-Kritik: Finns, Düsseldorf

26EA3C52-04CF-4104-A831-0AEFB29A61F0Wer Finns Wine and Kitchen in der Düsseldorfer Tannenstraße betritt, dem fallen als erstes die Kreidenotizen an den Wänden auf, unter denen auf einem langen Regalbrett einzelne Weinflaschen stehen: Eine Auswahl ständig wechselnder Einzelstücke, gesammelt bei befreundeten Winzern und für den Gast im „Fast Chiller“ innerhalb von wenigen Minuten auf Trinktemperatur herunterkühlbar. Das ist die eine Besonderheit der Weinbar, die andere: Neben klassischem Barfood wird hier auch Sterneküche serviert. Wer will, kann hier einfach nur ein Glas Wein trinken und dazu Kleinigkeiten wie eine Käseplatte oder Oliven, aber auch ein „Stundenei mit geräucherter Forelle und Pumpernickel“ essen – ein Gericht, das verrät, dass hier durchaus ambitioniert gekocht wird. Neben dem Barfood stehen vier „Klassiker“-Hauptgänge und „vier Gänge unserer Sterneküche“ auf der Karte. Spätestens auf dem Teller wird klar: Das Finns will mehr bieten als einen kleinen Snack zum Wein. So toppt das Stundenei wunderbar cremig den salzigen Fisch, auch der Nordseekrabbensalat im Lauchküchlein ist hübsch drapiert und schmeckt herrlich nach Meer. Gut komponiert ist der Hauptgang aus Rotbarbe und Pulpo mit schwarzen Linsen und grünem Spargel. Ausbaufähig dagegen die Dessert-Auswahl. Neben Milchreis gibt es nur „Kalte Schnauze“: der klassische Kindergeburtstagskuchen ist zwar getoppt mit Beeren und Tonkabohne – schmeckt aber trotzdem klebrig süß nach Kindergeburtstag und überfordert den vorher so angenehm gefüllten Magen. Sven-Niklas Nöthel, Sternekoch aus Mülheim an der Ruhr hat mit der Weinbar eine Düsseldorfer Dependance eröffnet und nach seinem Sohn benannt – das passt: Das Finns ist Kinderzimmer und Spielwiese, ein Lokal, in dem manches ein bisschen bunt zusammengewürfelt ist, ein Besuch aber auf jeden Fall Spaß macht.

erschienen in B-EAT 4/2019

Kritik Finns

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